Universum – Streit beigelegt


Nach einer Meldung des „Hamburger Abendblatt“ haben sich die beiden Streitparteien Kohl und Kluch endlich eine Einigung finden können und ihren Rechtsstreit um die Übernahme des Hamburger Boxstalls „Universum“ friedlich beigelegt. Bereits im Jahr 2011 hatte der Geschäftsmann Waldemar Kluch das traditionsreiche Unternehmen übernommen, wobei allerdings ein Teil der Kaufsumme offen blieb. Um welche Summe es sich bei der Einigung handelte ist nicht bekannt gegeben worden. Im Vorfeld war die Rede von 1,5 Millionen Euro, die Kluch noch an Kohl hätte zahlen müssen. Klaus-Peter Kohl hatte sich daraufhin Rechte am DIMA-Sportcenter gesichert und es stand eine Versteigerung des Sportkomplexes ins Haus. Wie man dem „Hamburger Abendblatt“ entnehmen kann, habe man sich nun geeinigt. Kohl sagte: “Ich bin froh, dass das Thema erledigt ist” und Kluch meinte: “Zuletzt hatten immer nur die Anwälte miteinander kommuniziert, jetzt haben wir uns endlich mal wieder bei einem sehr guten persönlichen Gespräch in die Augen geschaut und die Sache ein für allemal erledigt. Es gab viele Missverständnisse, die wir ausräumen konnten. Jetzt herrscht endlich Klarheit, und ich kann mich wieder voll und ganz aufs Geschäft konzentrieren.”

Das inzwischen insolvente Unternehmen „Universum“ hatte unter der Leitung von Klaus-Peter Kohl seine besten Zeiten, als die Kämpfe dieses Boxstalls per Vertrag im ZDF ausgestrahlt wurden. Allerdings endete dieser Vertrag, ohne das man sich über eine weitere Fortführung einigen konnte. Offenbar hatten beide Seiten zu weit auseinander liegende Vorstellungen, was die gebotenen Leistungen und die finanzielle Ausstattung eines Vertrages betraf. Klaus-Peter Kohl hatte sich in den letzten Jahren sehr für das Frauenboxen engagiert und die WM-Kämpfe von Regina Halmich, Ina Menzer, Alesia Graf und zuletzt auch Susi Kentikian als Hauptkämpfe live zur besten Sendezeit angeboten, was nicht allen Zuschauern recht war. Dem ZDF muss man allerdings auch vorhalten, dass es scheinbar nicht erkannt hat, wie schädlich es für die Zuschauerzahlen ist, wenn die Boxfans zu besten Sendezeit nur einen Kampf sehen konnten und dann erst das Sportstudio über sich ergehen lassen mussten, gekrönt durch das „traditionsreiche Torwandschießen“.
Das die Zuschauergruppen, die entweder einen durchgängigen Boxabend oder das Sportstudio sehen wollten nicht unbedingt die gleichen sind, hat man einfach nicht erkannt. Die Kritik an ZDF-Boxveranstaltungen stieg um so mehr, wenn zur besten Sendezeit ein Frauen WM-Kampf gezeigt wurde und die anderen Kämpfe, die wesentlich mehr Interesse geweckt hätten, erst irgendwann nach Mitternacht. Offenbar haben beide Seiten, also sowohl ZDF als auch Klaus-Peter Kohl, damals zu sehr auf ihren Positionen verharrt. Zur gleichen Zeit wollten sich einige Boxer vorzeitig von Universum trennen und das Unternehmen führte mehrere gerichtliche Auseinandersetzungen. Kohl verlor in dieser wenig aussichtsreichen Situation offenbar das Interesse sein Unternehmen weiter zu führen und verkaufte Universum an Kluch.

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Seither wurden immer mal wieder kleinere Veranstaltungen durchgeführt und ein Boxer nach dem anderen verließ Universum“, weil man wohl ohne eine ausreichende finanzielle Ausstattung keine Zukunft mehr sah. Es ist auch unklar, ob Kluch überhaupt wusste, welche finanziellen Belastungen auf dem Unternehmen liegen. Inzwischen ist „Universum“ in der Insolvenz und man spricht von über 4 Millionen Euro Verbindlichkeiten, die auf dem Unternehmen lasten. Dennoch ist Waldemar Kluch zuversichtlich, dass es wieder aufwärts geht und verweist auf einen Boxkampf zwischen Rakhim Chakhkiev und dem polnischen WBC-Weltmeister Wlodarcyk, der am 22. Juni in Moskau stattfinden soll. Dieser Kampfabend soll von Sohn Felix Kluch promotet werden an den Vater Waldemar Kluch den Universum-Staffelstab weiter geben will. Wie man allerdings aus der Insolvenz herauskommen will, ist wohl noch nicht geklärt. Im Internet macht eine Liste die Runde, die die hauptsächlichen Schulden auflistet:

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Denis Boytsov 505.950 Euro Schadenersatz
Sebastian Zbik 191.936,39 Euro Kampfbörse
Karoly Balzsay 175.000 Euro Kampfbörse
Firat Arslan 158.003,50 Euro Kampfbörse
Dimitri Sartison 124.000 Euro Kampfbörse
EC Boxpromotion 108.305,20 Euro Beteiligungen
Ruslan Chagaev 88.000 Euro Kampfbörse
Trainer Michael Timm 57.197,30 Euro
Ina Menzer 24.097,50 Euro Kampfbörse
(Liste ohne Gewähr für inhaltliche Richtigkeit, nach Angaben eines Users aus „Sportforen.de“)

Foto: Christian CarisiusDazu kommen noch die Forderungen von Zsolt Erdei, die sich ebenfalls im hunderttausender Bereich bewegen dürften. Waldemar Kluch hält sich allerdings erst einmal an andere Fakten und erklärt: “Boxen fasziniert und begeistert die Menschen auf der ganzen Welt. Daran hat sich nichts geändert, und das wird sich auch nie ändern. Das die Schwergewichts-WM zwischen Wladimir Klitschko und Alexander Povetkin gerade für über 23 Millionen Dollar versteigert wurde, zeigt doch, wie lebendig und lukrativ der Boxmarkt nach wie vor ist. Boxen wird weiterhin eins unserer Geschäftsfelder bleiben.” Das man dafür aber auch die entsprechenden Boxer haben muss, ist natürlich eine andere Sache, denn nach wie vor nicht so ganz geklärt ist wohl die Gültigkeit der Verträge mit den verbliebenen Universum-Boxern.
Jetzt muss erst einmal ein deutliches Signal her, dass das Unternehmen „Universum“ lebt und trotz Insolvenz weiter macht. Es wird auf die nächsten Monate ankommen und vor allem erst einmal darauf, welche Boxer sich überhaupt noch an die Verträge mit „Universum“ gebunden fühlen oder sich da nötigenfalls rausklagen. Sind auch die letzten Leistungsträger weg, bleibt vom traditionsreichen Unternehmen „Universum-Boxpromotion“ nur noch eine leere Worthülse übrig.



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